Das größte Feuerwehrauto der Welt steht in der Steiermark

Luger Sabrina

Ein Feuerwehrhaus, das aussieht wie ein Feuerwehrauto, eine Post, die aussieht wie ein Postkasten, eine Musikschule mit Noten an der Fassade und ein Märchenschloss als Kindergarten. In Bairisch Kölldorf in der Steiermark legt man viel Wert darauf, dass die Leute wissen, was wo drin ist. Über die Ästhetik lässt sich streiten, das tun die Bairisch Kölldorfer aber nicht, die lieben ihre Real-Life-Minopolis-Häuser. Wie? Was? Wann? Wer? Und vor allem Warum? Das haben wir für euch beantworten lassen.

25 Meter lang, 6.30 Meter breit und 6 Meter hoch, das sind die Maße des größten Feuerwehrautos der Welt. Und wer es nicht glauben kann, der kann gerne einmal hinfahren, denn es steht in der Steiermark, genauer gesagt in Bairisch Kölldorf. Seit es 2002 eröffnet wurde ist es – wenig verwunderlich – zu einem Besuchermagneten geworden. Der Schmäh an der G’schicht: Es ist eigentlich ein Haus. Also das Feuerwehrhaus und die Garage der FF Bairisch Kölldorf. Platz hat es für drei Fahrzeuge und einen Hänger.

„Es ist eigentlich ein ganz normaler Ziegelbetonbau, aber die Außenfassade ist natürlich anders“, erklärt Andreas Posch, Schriftführer der FF Bairisch Kölldorf, der beim Bau des größten Feuerwehrautos ab dem Jahr 2000 live dabei war. „Ja so richtig live dabei. Ich hab‘ insgesamt 700 Arbeitsstunden in das Haus gesteckt – freiwillig!“, wie er erzählt. Das Haus sieht nicht nur aus wie ein Feuerwehrauto, es kann auch so einiges. Zum Beispiel funktionieren die Blinker, Nebelscheinwerfer, Scheibenwischer und das Blaulicht. Nur fahren kann es nicht. Im hinteren Turm, der eigentlich als Drehleiter gedacht war, gibt es auch täglich eine Attraktion, wie Posch lachend erklärt: „Jeden Tag um dreiviertel Zwölf fährt eine Feuerwehrmann-Figur – die ist 3,20 Meter groß, aber nur 60 Kilo schwer – in die Höhe und spritzt ein bissi herum, damit das Feuerwehrhaus nicht abbrennt.“

Mit Plan und mit Ziel

Damals hatte die FF Bairisch Kölldorf nämlich drei Fahrzeuge und einen aufgeteilten Garagenpark ohne viel Stauraum. Das wollten sie ändern und deswegen haben sie sich vorgenommen, einen zusammenhängenden Trakt zu bauen. 25 Meter mal 12 Meter war ihre Wunschvorstellung. „Wir haben dann angefangen, Pläne zu zeichnen. Die waren eigentlich ganz schön, aber wir haben dann auch noch einen Innenarchitekten, der auch eine Tischlerei betreibt, ins Boot geholt“, so Posch. „Jo Burschen, bau ma‘ a Auto“, soll der Architekt damals vorgeschlagen haben. „Ihr habt’s ja einen kompletten Vogel“, soll die Antwort der älteren Kameraden gewesen sein. Im Gemeinderat wurde der Plan aber dennoch einstimmig beschlossen und dann auch schon umgesetzt.

Anfangs sollen einige Bewohner dem Gebäude gegenüber skeptisch gewesen sein. Seit der Eröffnung ist das überdimensionale Feuerwehrautohaus aber nicht nur bei den Bairisch Kölldorfern beliebt, sondern auch bei Touristengruppen. „In den ersten zehn Jahren haben wir sicher 200.000 Leute durch das Haus geschliffen“, scherzt der Schriftführer.

Real-Life-Minopolis

Doch Bairisch Kölldorf ist nicht nur für sein Feuerwehrhaus bekannt. Auch das Postverteilerzentrum ist ein Augenschmaus. Das sieht nämlich aus wie ein Briefkasten. Und der Kindergarten sieht aus wie ein Märchenschloss, auf das Comicfiguren gezeichnet wurden. Warum das alles? „Jo, weil wir zache Leut‘ sind in Bairisch Kölldorf“, lacht Andreas Posch.