Am 16. Januar 2020 von Sebastian Reindl

Nie wieder bücken: Obstklauben 4.0

„Die alten Mostbirnbäume sind aus der Zeit von Maria Theresia und das Obst klauben wir auch noch wie die Maria Theresia.“ Dieses Zitat eines steirischen Obstbauern bringt die Idee, die hinter der „Obstraupe“ steht auf den Punkt. Wir haben uns das österreichische Start-Up angesehen, das hart daran arbeitet, uns die Arbeit zu erleichtern.

Österreich ist klar dominiert von kleinflächigen, landwirtschaftlichen Betrieben. Viele dieser Betriebe haben kleinere und größere Streuobstwiesen.

Da das Aufsammeln des Obstes viel Zeit in Anspruch nimmt und sich bei einem Kilopreis von 0,90 – 1,30 € pro Kilo Äpfeln finanziell bei weitem nicht auszahlt, bleibt das Streuobst oft einfach liegen und verfault. Während die Nachfrage nach regionalen Fruchtsäften und Cidern, aber auch Craft-Bieren steigt, fällt es Produzenten daher zunehmend schwerer an die benötigte Menge an Früchten zu kommen.

David Brunmayr, Lukas Griesbacher und Stefan Bermadinger haben sich lange Gedanken darüber gemacht, wie man diese Arbeit effizienter gestalten könnte. Zusammen mit Franz Praher haben sie daher die Obstraupe entwickelt. David Brunnermayer erklärt: „Streuobstbewirtschafter sollen mit einer rückenschonenden und effizienten Erntetechnik bei ihrer wertvollen Arbeit unterstützt werden, damit sich das Aufsammeln von Streuobst wieder auszahlt.“

Die Bedienung der Obstraupe ähnelt in gewisser Weise der Bedienung eines Rasenmähers. Der Bediener oder die Bedienerin führt das mit einem Elektromotor betriebene Gerät über die Wiese und über eine Walze mit Kunststofflamellen wird das herumliegende Streuobst aufgesammelt. Die Äpfel werden über die Walze in eine Obstkiste befördert.

Je nach Geländebeschaffenheit kommt die Obstraupe auf eine Ernteleistung von 500-1000 kg/Stunde, bei einem Eigengewicht von 34 kg. Nach Angabe der Hersteller lassen sich damit verschiedenste Früchte, aber auch Walnüsse und Kastanien sammeln. Die Sortierung der Früchte und das Entfernen von mitaufgesammeltem Laub erfolgt nach der Ernte.

Ein besonderer Meilenstein für das Unternehmen war die Teilnahme an der Fernsehshow „2 Minuten – 2 Millionen“. Durch die Teilnahme an der Show haben die Gründer zwar nicht direkt ein Investment erhalten, dafür jedoch „die Potenzierung der Bekanntheit der Obstraupe.“

Laut dem Gründerteam wurden in den 5 Monaten nach der Markteinführung im Jahr 2018 bereits alle 117 Stück verkauft. Momentan ist das Unternehmen im Gespräch mit Händlern und plant eine Ausweitung auf die umliegenden Länder. „Wir sehen auf der ganzen Welt Absatzmärkte. Nur weil wir aus der Streuobst-Branche kommen, heißt nicht, dass unsere Raupe nicht auch für andere Anbaugebiete ideal ist“, so David Brunnermayer.