Urlaub mal anders: Mit dem Traktor auf den Glockner

Luger Sabrina

Wenn einen selbst Radfahrerinnen und Radfahrer überholen, dann steht eines schon mal fest: Für diese Form von Urlaub braucht man Zeit, Ausdauer und eine gewisse Wetterbeständigkeit. Der Verein Jungeisen ist diesen Sommer bereits zum fünften Mal mit seinen Oldtimer-Traktoren auf Urlaub gefahren. Diesmal haben sie den Großglockner erobert.

Wenn man ein Wiener Kennzeichen am Land entdeckt, ist Ärger vorprogrammiert: Egal wie er oder sie fährt, man findet immer etwas, um sich aufzuregen (zu langsam auf den Bundesstraßen, zu schnell im Ortsgebiet und von den Zufahrtsstraßen zu Wanderrouten oder Skitouren reden wir am besten gar nicht). Einzige Ausnahme: Der Oldtimer-Traktor-Verein „Jungeisen“. Die fahren kurioserweise auch mit einem großen W am Taferl und werden (mit wenigen Ausnahmen) freundlich gegrüßt.

Altes Eisen, junge Hupfer

„Wenn wir durch ein Dorf fahren, dann sind die Leute begeistert, wenn wir auf der Straße fahren, ist es aber auch schon vorgekommen, dass die Scheibenwischeranlage beim Überholen eingeschalten wurde“, erzählt Simon Schedl, Obmann und Gründer des Vereins. „Jungeisen“ nennt sich die Partie übrigens, weil sie jung sind und sich mit altem Eisen beschäftigen. Die Vereinsmitglieder sind Großteils zwischen 16 und 26 Jahre alt, die Gefährte schaffen schon mal das Doppelte oder Dreifache.

„Wir haben bis auf einen hellblauen Warchalowski WT20 mit orangen Felgen eigentlich nur STEYR Traktoren. Ein N182a, zwei N180a, einen 290er, einen 190er und einen T84e“ erklärt Simon. Und erklärt gleich, warum man sich für den diesjährigen Ausflug eine kleine Starthilfe gegönnt hat: Die Jungeisen ließen sich bis Salzburg chauffieren, erst von Seekirchen am Wallersee eroberten sie den Großglockner – über Kärnten ging es dann zurück nach Wien. Dauer: Neun Tage.

Cabrio-Feeling: Eins mit der Natur

Die Wetterbeständigkeit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Urlaub am Oldtimer-Traktor. Egal ob in der prallen Sonne oder im strömenden Regen, bei einer Tagesstrecke von rund 100 Kilometern kann es auch mal unangenehm werden, berichtet Simon: „Wir zelten nicht mehr, wie wir das bei den ersten Touren gemacht haben. Wir bereiten eine Route vor, wo wir in ungefähr 100 Kilometer entfernten Quartieren unterkommen. Die sind im Vorhinein schon gebucht und die sind unser tägliches Etappenziel.“ Den Rest machen Regenhose und Regenjacke.

„In erster Linie geht’s uns natürlich ums Traktorfahren. Wir schauen aber schon, dass wir auch Bekannte besuchen oder uns von anderen Oldtimer-Liebhaberinnen und Liebhabern Sammlungen anschauen können“, erzählt der Vereinsleiter. Mit den täglichen Stopps bei der Tankstelle, Jausenpausen und kurzen Sprüngen in den See wird das Fahren auch nicht zu anstrengend. Dennoch betont Simon: „Am Abend sind wir aber schon immer geschlaucht, wie auch so mancher Reifen.“