Trotz Facharbeitermangel: So findest du die richtigen Leute

Luger Sabrina

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden ist eine Sache, die nicht immer ganz so einfach ist. Besonders Handwerksbetriebe kämpfen zunehmend damit. Wir haben die Recruiting-Expertin Claudia Lorber gefragt, was du als Chefin oder Chef konkret tun kannst, um dein Team zu vervollständigen.

Der Facharbeitermangel ist auch im Jahr 2021 eine Last für viele Betriebe, das zeigt zumindest eine Studie der KMU Forschung Austria. In einer aktuellen Vorschau auf das heurige Jahr zeichnet sich ab, dass mehr als 70 Prozent der Dachdeckerei-, Glaserei, Spenglerei-, Sanitär-, Heizungs-, Lüftungstechnik- und Holzbaubetriebe in Österreich Probleme bei der Mitarbeiterfindung haben.

Der Facharbeitermangel ist ein umfassendes Problem, das nach einer politischen Lösung verlangt. Was Unternehmerinnen und Unternehmer aber aktiv tun können, damit sie qualifizierte Facharbeiterinnen und Facharbeiter finden, weiß die Personal-Expertin Claudia Lorber. Ein erfolgreiches Beispiel gibt's am Schluss.

Kreative Touchpoints finden

„Ganz wichtig ist es, dass du dich am Anfang der Mitarbeiterfindung hinsetzt und überlegst wie du die Leute erreichen kannst und bestimmte Touchpoints findest“, erklärt Claudia. Die Expertin rät: „Überlege dir, wo du deine Zielgruppe triffst. Wo sind die unterwegs? Besonders am Land sind viele Menschen mit dem Auto unterwegs und alle müssen tanken. Da wäre die Tankstelle ein wichtiger Ort, wo man die Stellenausschreibung aushängen könnte. Oder wie wäre es damit, beim nächsten Fest die Bierflaschen mit der Stellenausschreibung zu bekleben? Es gibt bereits viele Beispiele wie Recruiting gut funktionieren kann. Man muss sich halt einfach trauen.“

Keine Infos vergessen

„Oft sehe ich eine Stellenausschreibung, die mit einem ausführlichen Absatz über das Unternehmen beginnt. Und auch wenn ich lange runterscrolle, sehe noch immer nichts über den Job. Wenn ich das als Unternehmerin oder Unternehmer verbessern kann, dann bin ich der Konkurrenz schon einen Schritt voraus. Dasselbe gilt bei der Erwähnung des Arbeitsortes. Es wird oftmals vorausgesetzt, dass der bekannt ist. Davon darf man aber nicht ausgehen. Die wichtigsten Fakten wie Arbeitsort und Gehalt müssen in der Ausschreibung schnell ersichtlich sein“, so Claudia.

Ein guter Online-Auftritt

Sei es die Website oder die Social-Media-Accounts – ein gepflegter Online-Auftritt und regelmäßige Updates über das Unternehmen sind nicht nur für die Kundenakquise wichtig, sondern auch für die Mitarbeitersuche. Claudia erklärt: „Viele Unternehmerinnen und Unternehmer denken sich es ist cool, wenn sie g‘schwind ein Ad mit der Stellenausschreibung auf Facebook schalten. Aber wenn Interessierte dann auf die Facebook-Seite des Unternehmens kommen und die so gar nicht passend ist, oder die Website nicht für mobile Endgeräte optimiert ist, dann bringt das auch nichts, zumindest keine Bewerbungen.“ Claudia empfiehlt ein besonderes Augenmerk auf Videoinhalte zu legen: „Die müssen auch nicht lange sein, knappe 30 Sekunden, und können locker mit dem eigenen Smartphone gedreht wurden. Besonders wenn die Chefin oder der Chef kurz zu sehen ist, funktioniert das immer gut.“

Alle Benefits kommunizieren

Ganz oft, so berichtet Claudia, werden die Benefits, die es im Unternehmen gibt, nicht ausführlich genug kommuniziert. „Es heißt dann oft ‚Naja, das erzählen wir ihnen, wenn sie zum Bewerbungsgespräch da sind‘, aber das reicht nicht“, so die Expertin. Sie empfiehlt, alle Vorteile, sei es Homeoffice, zusätzliche Urlaubstage etc. in der Ausschreibung zu erwähnen.

Die Bewerbung so einfach wie möglich machen

„Die Frage ist: Kann ich mich übers Handy bewerben? Es ist ganz wichtig, die Bewerbung so einfach wie möglich zu machen. Die Leute schaffen es online bis zum Bewerbungsbutton aber dann wird’s oft einmal schwierig. Am besten kann man die Bewerbung über ein einfaches Formular auf der Website abschicken, das soll maximal drei Felder zum Ausfüllen haben, oder per E-Mail senden.“

Nicht nur auf Qualifikationen, sondern auch auf Kompetenzen achten

„Natürlich gibt es eine Vielzahl an Jobs, bei denen eine gesetzliche Auflage erfüllt sein muss. Aber bei allen anderen sollten Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber mehr Acht auf die Kompetenz und die Motivation der Bewerberinnen und Bewerber geben als auf die Qualifikation“, betont die Recruiting-Expertin. Als Beispiel nennt sie hier Menschen, die in der Software-Entwicklung arbeiten wollen: „Das kannst du auf der FH oder Uni gelernt haben, du könntest es dir aber auch selbst beigebracht haben. Heutzutage gibt es so viel Know-how, das sich die Leute selbst aneignen können, das darf nicht unterschätzt werden.“

Dieser Herr hat alles richtig gemacht. Die Lehrlingssuche war nach der Veröffentlichung des Videos abgeschlossen: