Schneckenkaviar: Freilandeier der anderen Art

Luger Sabrina

In Pulkau im Bezirk Hollabrunn in Niederösterreich gibt’s eine etwas ungewöhnliche Landwirtschaft: eine Helicikultur, also eine Schneckenzucht. Dort entsteht unter anderem (Schnecken-)Kaviar, der nach Waldluft schmecken soll.

Eine Szene, die straight aus einem Horrorfilm stammen könnte, war für Jessica Wyschka ein wahres Märchen. Vor ungefähr drei Jahren haben sie und ihr Partner ein Haus im ländlichen Pulkau gekauft, doch Haus und Garten haben zu diesem Zeitpunkt bereits Bewohner: hunderte Schnecken. Während andere sich vor dem Schleim und den Weichtieren ekeln würden, hat sich Jessica gefreut: „Als Kind haben wir die als Suppe gegessen.“

Anstatt in Panik zu verfallen und den schleimigen Weichtieren den Krieg zu erklären, fangen die frischen Hausbesitzer an sie zu verkochen und experimentieren mit verschiedenen Rezepten. Bei Jessica geht die Faszination für das Tier sogar so weit, dass sie bei einem Schneckenzüchter Schnupperstunden absolviert und sogar eine Ausbildung in Helicikultur – also Schneckenzucht – macht.

Bio-vegane Schnecken

Mittlerweile sind die beiden seit zwei Jahren nebenerwerblich in der Landwirtschaft als Schneckenzüchterin und Schneckenzüchter tätig. „Das habe ich mir nicht ausgesucht, das haben sich die Schnecken ausgesucht“, betont die frische Landwirtin. Mit zwei Ställen und mittlerweile einer halben Millionen Schnecken, die ausschließlich vegan und bio ernährt werden, ist sie dabei schon gut mit Arbeit eingedeckt. Es muss nämlich das Futter passen, die Temperaturen und die Feuchtigkeit der Umgebung. Feine Handarbeit ist beispielsweise bei der „Kaviarernte" wichtig. Der wird nämlich mit der Hand ausgegraben, danach sanft gewaschen und pasteurisiert.

Mit einem Proteinanteil von 89 Prozent und einer Vielzahl an Vitaminen und Spurenelementen sind die Schnecken auch noch richtig gesund. Verspeisen tut sie Jessica am liebsten in Butter und Knoblauch gebraten auf Weißbrot. Doch auch Schneckenleberkäse, also ein mit Schnecken gespickter Leberkäse, sei auf Zeltfesten sehr beliebt.

Die Schneckeneier, ein Beiprodukt der Zucht, das nur saisonal von Mai bis August erhältlich ist, werden gerne als Schneckenkaviar gegessen. Die Landwirtin erklärt: „Der Kaviar schmeckt wie Waldluft nach einem Sommerregen.“ Da die Schnecken das ganze Jahr über draußen sind, könnte man den Kaviar im Prinzip auch als Freilandeier bezeichnen – besonders gut soll er außerdem auf anderen Freilandeiern schmecken, nämlich einem klassischen Frühstücksei.