Österreich vom Feinsten: Hat Hans Knauß das Zeug zum Sepp Forcher?

Schwoaga Andi

Hans Knauß hat in seinem Leben schon viele Herausforderungen gemeistert, aber jetzt steht er vor seiner bisher schwierigsten Aufgabe: Er beerbt die TV-Legende Sepp Forcher im ORF und führt das Erbe von „Klingendes Österreich“ in der neuen Sendung „Österreich vom Feinsten“ weiter. Wir haben ihn gefragt, wie es dazu gekommen ist.

Mit nur 90 Jahren und nach nur 200 Sendungen hat Sepp Forcher letztes Jahr den Hut draufgehauen und seinen Pensionsantritt bei „Klingendes Österreich“ verkündet und zum letzten Mal „Pfiat’ Gott beinand“ in die Kamera gesagt. Der Ex-Skirennläufer, Ex-Kamerafahrer und begnadete Sportkommentator Hans Knauß tritt nun sein Erbe an und führt morgen Abend zum ersten Mal durch die Nachfolgesendung „Österreich vom Feinsten“. Wir haben den Steirer zum Interview gebeten um herauszufinden, ob der neue Name von ihm kommt und ob er sich jetzt auch einen Vollbart wachsen lässt.



hektar: Was hast du eigentlich für eine Schuhnummer?
Hans Knauß: Schuhnummer? Da hab ich 43er.


Weil du trittst jetzt in verdammt große Fußstapfen!
Das stimmt, das sind richtig große Fußstapfen, aber mir taugt sowas. Das ist eine Herausforderung, da geht’s um was G’scheits. Es gibt, glaub ich, auch keine Sendung im ganzen ORF, die einer 35 Jahre lang mit dem gleichen Titel und der gleichen Kennmelodie durchgezogen hat. Um ehrlich zu sein, ist es mir aber erst in der ersten Woche, in der wir gedreht haben, wirklich bewusst geworden, was der Mann da geleistet hat. 


Wie ist es überhaupt dazu gekommen?
Die letzten Jahre über haben schon öfter Leute zu mir gesagt, ich wäre ja ein guter Nachfolger für den Sepp Forcher und da hab ich immer schmunzeln müssen. Als wir dann aber wirklich in konkrete Gespräche gekommen sind, hab ich es mir dann doch mal durch den Kopf gehen lassen. 

Schwoaga Andi
12.4.2021

Abgefahren: Möbel aus alten Ski

in Handwerk, Unterhaltung

Wann war das denn genau?
Das war letztes Jahr, nachdem ich die Sendung „Winter in Österreich“ gemacht habe. Beim ORF sehen sie mich natürlich als absoluten Naturburschen und das stimmt ja auch. Ich kenn das Landleben, ich kenn das Brauchtum, ich hab in meiner Jugend sogar drei Sommer auf einer Alm verbracht. Und da hab ich mir dann gedacht: „Najo, eigentlich passt das ja ganz gut für so eine Sendung. Das einzige, was ich nicht kann, ist ein Musikinstrument spielen. Aber das hat der Sepp Forcher auch nicht gemacht."


Hast du den Sepp Forcher mal getroffen?
Nein, noch nicht, ich möchte die erste Sendung abwarten. Es wäre mir aber schon ein Anliegen, dass sich das mal ergibt. Er hat mir aber ganz liebe Sachen über unsere Regisseurin ausrichten lassen. Ich glaube, er traut mir das schon zu. Und ich hoffe, ich werde der Sache gerecht.

Nach 20 Jahren mit Sepp Forcher führt sie nun Hans Knauß durch die Sendung: Regisseurin Elisabeth Eisner
Foto: © ORF/Thomas Luef

Wo sind jetzt eigentlich die Unterschiede zum früheren Klingenden Österreich?
Der Kern der Sendung ist der Gleiche. Natürlich hat der Sepp mit seinen 90 Jahren keine großen Sprünge mehr machen können, bei mir kann’s schon vorkommen, dass ich beispielsweise ins Bild reinwandere oder dass ich mal auf deinem Mountainbike daher fahre oder mit einem alten Motorradl. Was in der ersten Sendung aber schon neu ist: Wir haben ein bisschen Kulinarik dabei. Und auch eine junge, fetzige Musikergruppe, die ein bisschen in Richtung Jazz geht. Da bin ich gespannt, wie das ankommen wird.

Wird’s auch Winterfolgen geben, in denen du wie Harry Prünster die Hänge runterwedelst?
Da ich den ganzen Winter als Kommentator unterwegs bin, wird’s vorerst keine Winterfolgen geben. Das ist aber noch alles offen und mein Plan wär’s auf jeden Fall.

Geplant sind vier Folgen pro Jahr. Du bist jetzt 50. Sogar wenn du das jetzt auch bis 90 durchziehst, schaffst du „nur“ 160 Folgen. Sepp Forcher hat 200 geschafft.
Bist du g’scheit, das ist echt ein Wahnsinn, wie lang der da Gas gegeben hat. Schon ganz gewaltig. Es ist aber sicher nicht meine Motivation, dass ich mehr Sendungen als der Sepp Forcher schaff.

Das neue Klingende Österreich wird „Österreich vom Feinsten“ heißen. Dieses „vom Feinsten“ ist ja ein bekannter Spruch von dir. Kommt der Name von dir?
Nein, überhaupt nicht. Ich hab auch ein bisschen schmunzeln müssen, als ich den Vorschlag bekommen hab. Die Sendung wird ja nach wie vor vom ORF Steiermark produziert. Da ist der Chef der Gerhard Koch, und der hat einen Sohn, der Sportkommentatoren erstklassig nachahmen kann. Der hat gleich zu seinem Vater gesagt: Mach was mit „vom Feinsten“, das sagt er immer!“ Und es passt ja auch.

Wird’s in der Sendung auch Momente geben, wo du deine anderen bekannten Sprüche raushauen kannst? Die dir ein „Bist du deppat“ oder so entlocken würden?
Ich moderiere so, wie ich halt bin. Da kann’s durchaus sein, dass mir da mal was rausrutscht, wenn ich bei der ganzen Sache eine gewisse Lockerheit entwickle, so wie beim Skifahren. Bei der ersten Sendung war ich schon noch ziemlich angespannt, nach zwei, drei Tagen haben wir aber eh gut zusammengefunden. Und mit den Musikanten war es sowieso eine Gaudi.

Nicht der Echte, aber echt gut und auch mit den echten Sprüchen: Kabarettist Alex Kristan als Hans Knauß.

Apropos Gaudi: Die erste Sendung hat dich in die Weststeiermark geführt, eine Gegend, dir für ihren Wein bekannt ist. Gab’s Alkoholverbot bei den Dreharbeiten oder hilft ein Glaserl um die Zunge zu lockern?
Wenn man um 10 Uhr zu einem Buschenschank kommt und da will dir jemand seinen Wein präsentieren, dann wird schon am Vormittag mal angestoßen, ansonsten gibt’s bei solchen Sachen aber natürlich ein Alkoholverbot. Wobei ich schon sagen muss: Das eine oder andere Bierchen oder Achterl hat beim Moderieren gar nicht geschadet.

Was ist deiner Meinung nach eigentlich schwieriger zu lernen, Skifahren oder Moderieren?
Schau, das Skifahren ist immer mein Leben gewesen. Ich bin auf der Planai aufgewachsen und mit den Skiern hab ich relativ früh gemerkt, dass ich da jemand sein kann damit. Das war spielerisches Erlernen – und dann natürlich auch harte Arbeit. 

Beim Kommentieren hat es dann schon einige Zeit gebraucht, bis mir das locker von der Hand gegangen ist. Da haben mir meine Kollegen, allen voran der Oliver Polzer, sehr viel geholfen. Eine Sendung zu moderieren und sich dabei nicht zu verstellen ist jetzt aber wieder ganz was anderes. Das ist schon eine meiner größeren Herausforderungen. 

Nicht sein angestammtes Revier, gute Figur macht er trotzdem: Hans Knauß bei den Dreharbeiten zur ersten Folge von "Österreich vom Feinsten" in der Weststeiermark.
Foto: © ORF/Thomas Luef

Eine Herausforderung ist ja auch die Sprachbarriere: Wie schwer tut man sich als Schladminger mit bundesweit verständlichem Österreichisch?
In meiner ersten Saison als Kommentator bin ich wegen meines Dialekts teilweise schon recht grob beschimpft worden. Aber es war für mich immer klar, dass ich den nie ablegen werde. Aber ich habe ihn verfeinert. 

Luger Sabrina
30.9.2021

Jetzt ON AIR: „Kirchi im Dorf“ mit Michi Kirchgasser

in Unterhaltung

Armin Assinger moderiert die Millionenshow, Michi Kirchgasser präsentiert hier bei uns auf hektar ihre eigene Sendung und interviewt Fußballer auf ServusTV und auch Hermann Maier hat schon ein Universum gemacht – wie kommt es, dass sich so viele Ex-Skirennläuferinnen und -läufer im Fernsehen tummeln?
Der Skirennsport ist ein knallharter Sport und natürlich auch die Nummer 1 in Österreich. Wenn du Ski-Athlet bist oder warst, kennt man dich eher, als wenn du auf dem gleichen Niveau beispielsweise Volleyball spielst. Vielleicht liegt es daran?

Du hast mit den Kamerafahrten aufgehört, weil es dir mittlerweile ein zu großes Risiko ist. Ist das Risiko aber jetzt nicht viel größer, wo du die Sendung von einem Publikumsliebling wie Sepp Forcher übernimmst? 
Ja natürlich, aber ich bin ein Sportler und wer nix riskiert, der gewinnt auch nix. In gewissen Sachen sag ich mir echt: Scheiß da nix, dann feit da nix. (Anm. der Redaktion: Das Gleiche hat übrigens auch die Renate vom Priesteregg der Michi Kirchgasser erzählt)

Fahrt aufnehmen: So hat die Kommentatoren- und Moderatorenkarriere von Hans Knauß begonnen.

Am 13. Oktober, also morgen, wird die erste Folge von „Österreich vom Feinsten“ ausgestrahlt. Bist du da nervöser als beispielsweise damals im Starthäuschen am Hahnenkamm?
Das ist eine andere Art von Nervosität. Bei der Sendung jetzt ist man schon angespannt, aber du hast null Gefahr dabei. In Kitzbühel ist der Adrenalinspiegel hoch, da spürst du denn Druck, das ist ein totaler Wahnsinn. Und dann hörst du auf und freust dich, dass du das nicht mehr machen musst. Und dann sehnst du dich doch wieder danach.

Sepp Forcher hat einen ganz prägnanten Schlusssatz in jeder Sendung gehabt. Hast du auch einen?
Nein, eigentlich nicht. Ich kann dir jetzt nicht einmal mehr sagen, wie ich bei den Dreharbeiten aufgehört hab. Vielleicht ergibt es sich aber irgendwann mal. So wie’s kommt, kommt’s.

Und hier die Abschlussfrage, die uns und unsere Leserinnen und Leser am meisten interessiert: Wirst du dir jetzt auch einen Rauschebart wachsen lassen?
Nein, mich juckt der Teifl (Anm. der Redaktion: So bezeichnet Hans seinen Bart) nach fünf Tagen und dann rasier ich ihn wieder ab. Außerdem ist er auch noch nicht flächendeckend grau!

So, des woa a recht a liabe G’schicht. Pfiat’ Gott in Österreich. Pfiat’ Gott beinand!


Titelbild: © ORF/Thomas Luef