Meisterwurz: Das Koks der Alpen

Leitner Andi
Eine Erfahrung: Wildkraut energy sniff

Warum sauteuer und illegal Koks aus Kolumbien importieren und dann doch nur Backpulver in der Tüte finden, wenn man sich doch auch ganz regional aufputschen und wachschnupfen kann? Mit Meisterwurz zum Beispiel, dem Wundermittel aus den Alpen.

Googelt man „Meisterwurz“, erfährt man ziemlich schnell, dass diese Pflanze aus der Familie der Doldenblütler so ziemlich alles kann. Seit dem Mittelalter wurde sie bei Atembeschwerden oder zur Anregung der Verdauung eingesetzt – als Tee, Tinktur, Sud, Aufguss oder Salbe. Was man im Internet nicht (oder noch nicht) findet: Das Kraut wirkt auch aufputschend und belebend. Vor allem, wenn man es schnupft.

Ausgegrabene Wurzeln der Meisterwurz beim Sammeln in den österreichischen Alpen

Macht zwar wach, aber optisch nur wenig her: die Meisterwurz-Wurzeln

Diesen Schmäh hat sich der Vorarlberger Eugen Fulterer von den Bauern und Alphirten im Walsertal abgeschaut und auch prompt weiterentwickelt. Mit seinem „Wildkraut Energy Sniff“ will er jetzt den Energydrinks mit natürlichsten Mitteln an den Kragen. „Ich war daheim schon immer viel in den Bergen unterwegs und hab gern mit den Alphirten gesprochen. Die hatten immer alle Meisterwurz dabei“, erzählt Eugen. Und als gelernter Koch begann er sofort mit dem Experimentieren.

Eine gute Nase fürs Geschäft und alles andere

Wieso vor Eugen niemand auf die Idee gekommen ist? Vielleicht, weil nur wenige Leute so viel Energie brauchen wie er. Mit 19 übernahm er das elterliche Wirtshaus in Rankweil, führte es 15 Jahre lang gemeinsam mit einem seiner Brüder, studierte nebenbei Umwelt- und Bioressourcenmanagement an der BOKU und Theater-, Film- und Medienwissenschaften an der Hauptuni in Wien und machte erste Erfahrungen im freien Kunst- und Kulturbetrieb. 2014 verkaufte er das Wirtshaus schließlich und widmete sich vollends der Kulturarbeit – unter anderem veranstaltete er auch das Walserherbst Festival mit. Und dann kam Corona.

Eugen Fulterer

Der Mann hinter dem Kraut: Eugen Fulterer

</br>Bild: © Martin Schachenhofer

Schnupft jeden Energy Drink

„Die Idee zu unserem Energy Sniff hatte ich schon vor etwa drei Jahren, aber Corona hat das Ganze jetzt sicher beschleunigt“, erinnert sich der Mastermind des Schnupfer-Startups. Die Rezeptur entwickelte er in Eigenregie und mit großem persönlichen Einsatz: „Ich hab natürlich alles immer selbst probiert, es soll ja schmecken und nicht brennen oder einen zum Niesen bringen. Aber natürlich brauchst du auch allerhand Gutachten, die Wirkung und die Sicherheit müssen ja belegt werden.“ Neben der Meisterwurz haben es auch noch zahlreiche andere Kräuter und Inhaltsstoffe in das finale Rezept geschafft. Darunter Koffein und Taurin, das man aus herkömmlichen Energydrinks kennt, aber auch Guarana, Wasserminze und Tryptophan. Letzteres ist ein kleiner Wunderwuzzi unter den Aminosäuren und regt unter anderem die Produktion von Serotonin an, dem körpereigenen Glückshormon. Warum das auch drin ist? „Das Tryptophan ist das natürliche Gegengewicht zu Koffein und Co. Das eine pusht und macht wach, das andere sorgt dafür, dass du danach trotzdem gut schläfst.“

Zieh eine oder zieh Leine

Wer sich jetzt denkt: „Geil, ich zieh gleich eine Line“, den müssen wir aber gleich mal bremsen. Ja, es ist ein weißes Pulver, ja, es wirkt aufputschend und ja, man zieht es durch die Nase, aber in einem Punkt unterscheidet es sich doch vom Koks: Du brauchst keine Kreditkarte, keinen eingerollten Hunderter und auch keine Finca in Malle, schon ein linsengroßer Schnupfer vom Handrücken reicht für die volle Wirkung. (Ok, bei unserem Wildkraut Energy Sniff Test waren es vielleicht auch zwei.) Wer sich eine Prise gönnen möchte, findet das Zeug derzeit in einigen Geschäften im Bezirk Feldkirch in Vorarlberg und Wien sowie in einem eigens eingerichteten Online-Shop auf https://energysniff.com/.

Ach ja, und falls wir das noch nicht gesagt haben: Das Zeug ist natürlich legal.