8 Dinge, die Stadtkinder nicht verstehen

Luger Sabrina

Das Leben am Land kann so traumhaft sein: man denke an Frühschoppen, Zeltfeste und Metersaufen. Tragisch, wenn man draufkommt, dass Stadtkinder das oft gar nicht kennen. Und auch nicht verstehen, wenn man es ihnen erklärt. Eine unvollständige Liste gibt’s hier:

Frühschoppen mit SCH

„Früh shoppen“ bedeutet in der Stadt, dass die Einkaufsstraße „schon“ um neun Uhr morgens, wahrscheinlich aber erst gegen zehn oder elf Uhr, gestürmt wird. Die meisten Geschäfte machen nämlich selten wirklich früh auf. Dass Frühschoppen am Land mit SCH geschrieben wird hat aber einen guten Grund: Das SCH steht für S(ch)paß. Gemütlich zusammensitzen mit ordentlicher, musikalischer Untermalung und Alkohol vor dem Mittagessen ist das, was die Gesellschaft zusammenhält.

Kuhstaus

Wer kennt’s nicht: Eine Herde an Kühen kreuzt die Straße und man muss einfach einmal warten und Mutter Natur (oder besser gesagt, die Bäuerinnen und Bauern) ihr Ding durchziehen lassen. Die vielen Autos hinter einem selbst verstehen das so gut wie du. Gibt’s in der Stadt halt einfach nicht. Da staut es sich auch ohne Kuh. 

Metersaufen

Ein Meter Bacardi Cola ist einfach Pflicht, wenn man auf ein Festl geht, das wissen wir Landkinder. Immerhin lädt man ja alle seine Freundinnen und Freunde ein, und dann Leute die vorbeilaufen und so weiter. Da ist man elf Getränke schnell einmal los und ein bisschen günstiger ist es auch. In der Stadt kennt man das Phänomen des Metersaufens leider nicht. Dasselbe gilt übrigens fürs Kübelsaufen. Das kennen Stadtkinder wenn dann nur vom Ballermann. Und Bierkisten haben sie auch fast nie im Auto.

Vereine

Es ist die ultimative Form des Networkings: Vereine. Wer am Land aufwächst und aktives Mitglied der Gemeinde sein will, ist mindestens in einem. Feuerwehr, Musikkapelle, Naturfreunde, Dorferneuerung, Landjugend, Sportverein – das Prinzip ist: Je mehr, umso besser. Weil: in ist, wer drin ist.

Hagebutten

Sehr selbsterklärend und ich möchte auch nicht zu viel verraten, damit Stadtkinder jetzt keine Insider-Infos von uns bekommen. ABER: Sie kennen es nicht. 

Ministrieren

Wenn du am Land aufgewachsen bist und nicht ministriert hast, dann gehörst du zu den absoluten Ausnahmen. Die meisten von uns wurden nämlich direkt nach der Erstkommunion rekrutiert. Wer Glück hatte, hat sogar ein bisschen Geld verdient. Im Regelfall waren Begräbnisse, Taufen und Hochzeiten besser bezahlt. Und danach hat’s außerdem Würstel gegeben. Den meisten Stadtkindern ist diese Erfahrung entgangen. Wenn man dann schon ministriert hat, dann war man meistens auch ratschen und sternsingen (was noch mehr Kohle gebracht hat) – auch das kennen die Stadtkinder nicht.

Zeltfeste

Wer im Dorf lebt weiß, welches Zeltfest in welcher Nachbarortschaft wann stattfindet. Jährlich wiederholen sich dieselben Events, ab und zu kommt ein neues dazu. Nachdem die Ballsaison im Frühjahr beendet ist, werden die Zeltfeste auch schon sehnsüchtigst erwartet. Coverbands und Dorf-DJs sind Pflicht. Und das oben genannte Metersaufen. 

Was die meisten Stadtkinder daran irritiert: Das geht ungefähr drei Tage lang so. Und wer etwas auf sich hält ist auch jeden Tag dabei.

Blasmusik

Wenn wir schon beim Thema Musik sind: Wir wissen, fast jede und jeder am Land hat in irgendeiner Form was mit der Blasmusikkapelle am Hut. Und wer kein Instrument spielen kann, der oder die wird Marketenderin oder Marketender, oder zumindest Unterstützerin oder Unterstützer vom Verein – wenn auch nur als Teil des Publikums. Die wenigsten Stadtkinder haben einen Bezug zur Blasmusik. Deswegen: Ladet euch doch einmal ein Stadtkind zu Neujahr, ein und freut euch auf das Gesicht, das sie machen, wenn plötzlich die Blasmusikkapelle vor der Haustüre steht.3