10 Dinge, die ein Dorfkind nicht sagt

Schwoaga Andi

Es gibt Dinge, die haben alle Dorfkinder gemeinsam, ganz gleich, ob sie im Gössgraben, im Tiroler Oberland oder im hintersten Waldviertel aufgewachsen sind. Zum Beispiel würden wir niemals zugeben, dass das Feuerwehrfest im Nachbarort lustiger ist (was es natürlich niemals sein kann). In diesem Sinne: Viel Spaß mit unserer unserer unvollständigen Liste von Dingen, die ein Dorfkind nicht sagen würde.
Und weil Stadtkinder das sonst nicht verstehen würden, haben wir die passenden Erklärungen gleich dazugeschrieben.

1. Darf man hier parken?

Erklärung für Stadtkinder: Am Land parkt man dort, wo Platz dafür ist. Aber immer so, dass man niemanden stört. Anders verhält es sich beim „Halten“, denn wenn man auf der Straße jemanden trifft, mit dem man mal kurz ratschen möchte, dann bleibt man auch gern mal pixmitten stehen. Und wer einen Hilux hat, der parkt sowieso überall (auf Gehsteigen, Böschungen, im Straßengraben …)

2. Bus verpasst? Egal, der nächste kommt eh gleich.

Erklärung für Stadtkinder: Busse trifft man am Land ungefähr gleich oft wie einen Mitarbeiter im Baumarkt. Verpasst man also morgens auf dem Weg zur Schule seinen Bus, kann es durchaus schon mal vorkommen, dass man die ersten beiden Stunden verpasst. Was übrigens auch zu den Dingen gehört, die ein Dorfkind nicht sagt: "Schade, jetzt komm ich zu spät in die Schule."

3. Bitte einen Frozen-Soja-Latte mit Chrushed Ice!

Erklärung für Stadtkinder: Kaffeetrinken ist am Land kein kulinarisches, sondern ein gesellschaftliches Event. Und da ist es dann völlig egal, ob wir uns einen Cappuccino mit extra Zucker vom Automaten an der Tankstelle oder ein Häferl Filterkaffee von der Oma reinziehen. Einzige Ausnahme: Almkaffee.

4. Wer ist Engelbert Strauss?

Erklärung für Stadtkinder: Früher gab es den Blaumann oder alte, zerrissene Jeans, und dann kam Engelbert Strauss. Seitdem sind Dorfkinder bei der Arbeit noch besser angezogen als zum Sonntagsgottesdienst. Der Vorteil: Da man am Land quasi immer arbeitet, kann man auch immer in Engelbert Strauss-Sachen herumlaufen.

5. Das gibt’s nicht im Lagerhaus.

Erklärung für Stadtkinder: Natürlich geht es in diesem Artikel um Dinge, die ein Dorfkind nicht sagt. Um Punkt 5 zu verstehen, muss man aber wissen, dass es auch Dinge gibt, die ein Dorfkind sehr oft sagt. Zum Beispiel: "Ich muss noch zum Lagerhaus." Das Lagerhaus ist  nämlich Nahversorger, Baumarkt, Werkstatt, Maschinenhandel und Gastgarten zugleich. Und, um zum Thema zurückzukommen, es gibt nichts, was es im Lagerhaus nicht gibt. Absolut nichts. Mike Supancic hat dem sogar ein ganzes Lied gewidmet.

6. Hast du einen Bieröffner?

Erklärung für Stadtkinder: Die Antwort ist immer nein. Und wenn du dich jetzt fragst, womit wir dann unser Bier aufmachen: Mit Feuerzeugen, Maßstäben, Schlüsseln, anderen Bierflaschen, Hacken, Motorsägen, Straßenwalzen oder allem anderen, was grade herumliegt. Zudem gilt die Regel: Wer das Bier nicht aufmachen kann, sollte es besser auch nicht trinken.

7. Ich kann keinen Discofox.

Erklärung für Stadtkinder: Zur Grundausbildung des Dorfkinds gehören nicht nur der Moped-Führerschein und eine gewisse Fingerfertigkeit am Nagelstock, sondern auch ein kleiner Tanzkurs. Dort lernt man zwar auch Rock’n’Roll, Walzer und Co, das Einzige, das man danach aber auch wirklich tanzt, ist Discofox. Schritt, Schritt, Tap.

8. In welchen Club gehen wir heute?

Erklärung für Stadtkinder: Erstens gibt’s am Land keine Clubs, sondern Wirtshäuser, Vereinsheime und hie und da eine Großraum-Disco. Und zweitens gibt’s auch davon nicht wirklich viel. Wenn man also keinen Fahrer (oder sehr liebenswerte Eltern) hat, ist die Auswahl stark begrenzt. Außer natürlich zur Festl-Saison, da ist immer was los.

9. Ich brauch kein Auto.

Erklärung für Stadtkinder: Ohne Auto geht am Land schon mal gar nix. Man braucht es, um in die Arbeit zu kommen, zum Einkaufen (Bier-Aktion!), zum Angeben und natürlich auch für Kofferraum-Partys. Außerdem ist das Parken nie ein Problem (siehe Punkt 1) und Busse findet man auch nur dort, wo man sie nur schwer überholen kann (siehe Punkt 2).

10. Hektar? Interessiert mich nicht.

Erklärung für Stadtkinder: Eine Wohnung kann man in Quadratmeter messen, aber echten Besitz misst man in Hektar. Wer viele Hektar hat, hat nicht nur viel Arbeit, sondern auch bessere Chancen beim anderen Geschlecht. Es gibt nämlich Single-Abende, an denen sich Jungbäuerinnen und -bauern ihre Hektar-Zahl an die Brust heften. 

Außerdem ist hektar.at ein neues Online-Magazin für die Leute am Land. Aber das wusstest du schon, oder?